2009: Symphonic Fantasies. 2010: Symphonic Legends. 2011: Symphonic Odysseys. Mit Odysseys schließt sich nun der Kreis der 'Symphonic'-Reihe des WDR Rundfunkorchesters. Symphonic Odysseys widmete sich ausschließlich dem wohl bekanntesten Videospielkomponisten, Nobuo Uematsu. Bereits bei Fantasies war der Andrang so groß, dass ein Zusatzkonzert abgehalten wurde. Dieses Mal war es nicht anders und so gab es bereits um 15 Uhr eine vorgezogene Extravorstellung, während um 20 Uhr die 'Hauptvorstellung' gespielt wurde, die sowohl live im Radio als auch als Video-Stream im Internet übertragen wurde. Eigens aus Japan angereist ließ es sich Nobuo Uematsu nicht nehmen vor beiden Konzerten je fast eine Stunde lang Autogramme zu geben. Leider wollten so viele Zuschauer Autogramme, dass einige leer ausgingen.

Die Kölner Philharmonie war fast restlos ausverkauft und die Stimmung war schon vor Beginn des Konzerts sehr gut. Ein guter Start in einen grandiosen Abend. Der bereits von Symphonic Legends bekannte WDR-Moderator lockerte die Stimmung ein wenig auf und führte teilweise auf recht amüsante Art durch das Programm. Als Eröffnungsstück wurde ein eigens für diesen Abend arrangiertes Stück von Nobuo Uematsu gespielt. Der Klang in der Philharmonie war, wie immer, großartig. Das Orchester war sehr gewaltig in der Größe und in ihren Klängen. Als nächstes folgte eine etwa 15 minütige Suite zu den Final Fantasy Teilen I bis VI. Die mehr oder weniger bekannten Stücke wurden gut umgesetzt, stellten aber aus meiner Sicht eher den schwächeren Teil des Abends dar. King's Knight ist ein auf dem NES erschienenes Actionspiel von Square. Hierzulande ist es eher weniger bekannt, aber für Uematsu ist es ein wichtiger Titel seines früheren Komponistenlebens. Verspielt und fröhlich präsentierte sich dieses klassische Stück mit einigen ungewöhnlichen Instrumenten um den alten Sound ein wenig in die Gegenwart zu holen. Als nächstes folgten noch drei Stücke vor der Pause, die in völlig unterschiedlichen Zeiten entstanden sind. Chrono Trigger setzte auf ein Stück, dass fast ausschließlich vom knapp 40 Mann und Frau starken Chor gesungen wurde, der zudem zum ersten Mal auf der Empore stand, da die Anzahl der Musiker dieses Mal auf über 100 anstieg. Zwei Songs aus Final Fantasy Legend I+II wurden vom GameBoy auf das große Orchester umgesetzt. Auch hier hörte man die typische Final Fantasy Musik heraus, wobei sich der Klang natürlich deutlich vom GameBoy Original entfernt. Als letztes Stück vor der Pause wurde A fleeting Dream aus Final Fantasy X gespielt; das wahrscheinlich emotionalste Stück des Abends.
In der Pause gab Benyamin Nuss, der bei zwei Stücken des Abends am Klavier saß und auch ein kleines Solo gespielt hat, Autogramme. Wie immer gab er sich sehr Fan-nah und freundlich.
Nach der Pause ging es mit aktuellen Werken von Uematsu weiter. So wurde zuerst ein Stück aus dem hierzulande erst 2012 erscheinenden Wii-RPG The Last Story gespielt. Ohne diesen Song zu kennen entfaltete sich jedoch leider nicht die gewünschte überwältigende Wirkung, obwohl Uematsus Stil deutlich herauszuhören war. Von vielen Fans wird es verhasst und nur von wenigen wegen der Musik geliegt: Final Fantasy XIV. Eins muss man dem MMORPG lassen: Es hat einen unglaublich schönen melodiösen Soundtrack. So war die 'Feldmusik' On windy Meadows mein persönliches Highlight des Abends. Danach folgte ein Song aus Blue Dragon, dass ebenfalls nicht nur auf Gegenliebe bei den Fans stieß. Der gespielte Song war dafür allerdings recht gut und eingänglich. Das Finale stellte Lost Odyssey dar. Sechs Stücke wurden ohne Unterbrechung in einer fast 20 Minuten Suite gespielt. Hier offenbarte sich erneut die Professionalität und das Können des Orchesters. Die Stücke wurden sehr gut umgesetzt und wurden optimal aus dem Soundtrack ausgewählt.
Damit endete das eigentliche Konzert und ein wahrer Freudensturm aus Applaus und Fanschreien erhallte die Philharmonie. Es war ein nahezu perfektes Konzert, mit einer sehr guten Songauswahl, einem überwältigenden Sound und einer, dank verschiedenfarbiger Fluter und leichtem Nebel, perfekten Atmosphäre.
Wie zu erwarten wurde noch eine Zugabe gespielt. Das Ending-Theme von Final Fantasy X wurde dafür gewählt. Die Menge tobte vor Freude als dieses Stück angekündigt wurde. Auch dieses Stück wurde so schön gespielt das sogar noch eine zweite Zugabe gegeben wurde. Das Fighting Theme aus Final Fantasy VII. Nach diesem Song endete dann aber endgültig das Konzert mit vielen großartigen Songs aus Final Fantasy XIV, X und VII sowie der Lost Odyssey Suite und den eher unscheinbaren Stücken aus The Last Story und Final Fantasy I-VI.
Besonder hervorzuheben sind jene Musiker die zwar im Hintergrund spielten, aber für eine perfekte Atmosphäre gesorgt und mit Flöten, Trommeln, Harfe, Kazoo und vielen anderen Instrumenten das Orchester unterstützt haben.

Mein Fazit:
Bis auf wenige Stücke der älteren Final Fantasy Teilen, sowie von The Last Story und Blue Dragon waren alle Songs nicht nur großartig gespielt, sondern beinahe zum verlieben. Dieses Mal wurden die Stücke kaum verändert, im Gegensatz zu Symphonic Legends, und so steht dieses Konzert mindestens auf einer Ebene mit Symphonic Fantasies, welches nächstes Jahr erneut aufgeführt wird (wir berichteten).
Ein kurzer Satz noch zum Moderator: Man merkte ihm an, dass er nicht aus dem Videospielgenre kommt, aber dennoch gab er sein Bestes und hat für eine gute Stimmung gesorgt.
Nobuo Uematsu war gewohnt fröhlich und munter und so kam er zum zweiten Konzert auch mit einem Deutschland-Kopftuch in den Saal. In Kombination mit einer Flasche Kölsch zum Abschluss auf der Bühne war dies ein weiteres Event (neben dem zeitgleich stattgefunden Fußballspiel Deutschland gegen Japan) für „150 Jahre Deutsch-Japanische Freundschaft“.
Jeder der das Konzert nicht miterleben konnte, sollte dem WDR schreiben, das sie sich um eine offizielle Live-Aufnahme im Internet und einen CD-Release kümmern sollen, denn dieses Konzert sollte kein Rollenspiel-Fan verpassen!
Fotos: Andreas Zimmer